Post für die Mitglieder von Kassel.Yoga zum 1.10.2026

Liebes Mitglied von Kassel.Yoga!

Wie du weißt, erhältst du einmal im Vierteljahr Post von mir, in dem ich etwas schreibe, was mich gerade beschäftigt, um neue Anregungen und Impulse weiterzugeben und wünsche dir viel Freude beim Lesen!

 Mein Thema – Rollen im Wandel!

Wie der Herbst seine Farben verändert, verändern auch wir uns.

Mit jeder Lebensphase kommen neue Rollen zu uns – und manche dürfen wir wieder loslassen. Wir sind Tochter oder Sohn, Partnerin oder Partner, Mutter oder Vater, Freundin, Berufstätige, Begleiterin, Lehrende, Lernende. Doch keine dieser Rollen ist unsere ganze Identität.

Eine Rolle beschreibt, was wir im Leben tun. Sie beschreibt nicht, wer wir im Innersten sind.

So wie der Baum im Herbst seine Blätter loslässt, dürfen auch wir uns fragen:

Was darf ich loslassen?

Welche Rolle hat mich bis hierher begleitet, darf sich nun aber verändern?

Und was möchte durch mich in dieser neuen Lebensphase entstehen?

Eine der schwierigsten Veränderungen im Leben ist vielleicht, wenn eine Rolle wegfällt oder sich verändert: Dann kommt die Frage: 

„Wer bin ich, wenn ich diese Rolle nicht mehr genauso ausfüllen kann?“

Vielleicht liegt darin eine wichtige Unterscheidung:

Du bist nicht deine Rolle. Du erfüllst Rollen.

Eine Rolle kann sich verändern, während bestimmte Qualitäten in dir bleiben.

Vielleicht warst du früher beispielsweise jemand, der viel geleistet hat. Heute kannst du vielleicht mehr begleiten als leisten.

Früher hast du vielleicht etwas aufgebaut. Heute kannst du weitergeben.

Früher hast du vielleicht geführt. Heute kannst du zuhören.

Die äußere Form verändert sich – die innere Qualität kann bleiben.

Auch im Yoga erfahren wir Veränderung.

Unser Körper bewegt sich anders als früher. Manche Asanas fühlen sich leicht an, andere brauchen heute mehr Geduld. Vielleicht müssen wir etwas verändern, anpassen oder loslassen.

Und genau darin liegt eine wichtige Erfahrung:

Yoga bedeutet nicht, an einer früheren Version von uns festzuhalten. Yoga bedeutet, dem zu begegnen, was jetzt ist.

Der Herbst erinnert uns daran, dass Loslassen nicht das Ende bedeutet. Es ist Teil des Lebens. Die Natur verliert ihre Blätter nicht, weil sie gescheitert ist. Sie folgt ihrem eigenen Rhythmus.

Vielleicht dürfen auch wir darauf vertrauen, dass eine Rolle, die sich verändert, Raum für etwas Neues schafft.

Unser Sinn im Leben muss dabei nicht immer eine große Aufgabe sein. Manchmal liegt er in kleinen Dingen: in einem liebevollen Blick, einem offenen Ohr, einem Atemzug, einer Begegnung, im Weitergeben unserer Erfahrungen oder darin, einfach präsent zu sein.

Und wenn wir nicht wissen, welche Rolle als Nächstes zu uns gehört, können wir zurückkehren zu dem, was immer da ist – zum Atem.

Einatmen – annehmen, was jetzt ist.

Ausatmen – loslassen, was nicht mehr trägt.

Der Atem fragt nicht, wer wir gestern waren.Er verlangt nicht, dass wir wissen, wer wir morgen sein werden.

Er begleitet uns durch die Veränderung.

Vielleicht liegt darin ein Teil des Sinns:

Nicht eine feste Rolle für das ganze Leben zu finden, sondern immer wieder offen zu sein für das, was das Leben jetzt von uns möchte.

Wie der Herbst dürfen wir uns verändern.

Wie die Natur dürfen wir loslassen.

Und wie der Atem dürfen wir immer wieder neu beginnen.

Wir freuen uns auf die präsenten Begegnungen mit dir auf der Matte, auf das letzte Vierteljahr 2026 und auf alles, was wir 2027 zusammen erleben dürfen. 

Nichts ist selbstverständlich und das Leben ist ein Geschenk!

Namasté, 

Annette, Antonia, Bettina, Carola, Charlotte, Desirée, Jana, Olga, Ruth, Tanja, Volker & Claudia 

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